Hexenverbrennung in Mundaka

Dabei hatte alles so gut angefangen…Und wer Feuer mag, fuer den ist San Juan sowieso ein Paradies. Da gehts naemlich nur um Feuer. Naja, mehr oder weniger. Gefeiert wird der Sommerbeginn und alles „Boese“ wird im Feuer verbrannt- eine Tradition im gesamten spanischsprachigen Raum. Auch in Gernika gabs einen vielversprechenden Holz- und Schrotthaufen vor dem Gebaeude der ehemaligen Waffenfabrik „Astra“. Zudem nutzten Angehoerige und politische Gruppen den Abend, um mit einem Fischgrill und Getraenken etwas Soli-Geld einzunehmen, dass den Angehoerigen politischer Gefangener dazu dient, sich Zug- oder Flugtickets zu kaufen. Denn die meisten Inhaftierten werden von mehreren Hundert bis ueber Tausend Kilometer weit weg eingekerkert, so dass es kaum moeglich ist, ueber Jahre Kontakt zu Freunde und Familien zu halten. Eine spezielle Repressionsmassnahme der spanischen Justiz, die auch von buergerlichen Menschenrechtsorganisationen wie AI angeprangert wird. Die Atmosphaere war nett, aber wir hatten ja noch weiteres vor: Das traditionelle San Juan-Fest im etwa 10 Kilometer entfernten Mundakaas. Der kleine Dorfplatz und der Hafen quollen ueber, nebst einigen Touristen hatte sich offenbar das gesamte Dorf versammelt. Unsere ortsansaessige Begleitung liess uns wissen, dass San Juan in Mundaka sehr speziell sei. Und tatsaechlich, speziell kann man das Ganze wohl nennen. Ist das nicht der „Ruf“ des Baskenlandes? Verrueckte Dorffeste und jede Menge Politics? Jedenfalls fanden sich gegen elf Uhr vier schwarz gekleidete Maenner ein, die eine riesige wohl selbst gebastelte Holzhexe samt Katze und eingebautem Licht auf mehreren Holzbalken trugen und dabei komische Taenze (Herumhuepfen) auffuehrten, begleitet von einer Horde von tanzenden (oder besser huepfenden) Kindern in schwarzen Kleidern. Natuerlich marschierte auch eine kleine Live-Kapelle auf, deren durchdringende und eingaengige Floetenmelodie uns heute alle noch in den Ohren steckt. Eine Stunde ging dann der tanzende und floetende Umzug samt Hexe durch die engen Dorfgassen, mit vielen Pausen, Bieren und Kalimoxos unsererseits.
Und womit endete das Ganze? Ja, richtig. Die Hexe wurde auf dem Feuer in der Naehe des kleinen Hafens plaziert und Punkt Zwoelf Uhr, wie es der Brauch vorschreibt, unter grossem Gejohle angezuendet.
War das die totale Anti-Aufklaerung, wie meine Begleiterin bemerkte, oder doch nur ein nettes Fest, bei dem das ganze Dorf mitfeiert? Insgesamt jedenfalls ziemlich skurill und witzig, wenn auch ein Tick gruselig.