Italia ohne Bella

Was soll an Italien eigentlich toll sein? Immerhin schafft es dieses Land, bereits seit mehreren Jahrhunderten beliebtes Reiseziel der Deutschen zu bleiben. Waren es einst die Bürgerlichen, die dort die Hochkultur vermuteten und allzu gerne aus Italien kopierten (man denke nur an den ollen Goethe), sind es in den letzten Jahren vielfach Freizeitrevoluzzer gewesen, die, mitgerissen von protestierenden Massen in seltsamen Kostümen, riesige Reifen vor sich hertragend mutig jede noch so geschlossene Polizeikette umrennend, gerne mal in den Süden aufbrachen und sich von der während des G8-Gipfels in Genua 2001 spürbar gewordenen Macht linker Kräfte viel versprachen. Auch wir fahren also mal wieder nach Italien, lange nicht dagewesen. Irgendwie auch alles nicht mehr so dufte. Berlusconi regiert ungerührt und übersteht Skandal um Skandal, rassistische Pogrome scheinen allgemein akzeptiertes Alltagsverhalten zu sein, die viel beschworene Linke hingegen in Lethargie versunken, die Faschisten gestärkt, denn, es war ja nicht alles schlecht, nunja, die Rassengesetze hätten jetzt vielleicht nicht sein müssen, aber Gottchen (mit dem hat mans ja im katholischen Süden), der Mensch macht halt Fehler gell. Was wollen wir in diesem Land? Uns auf die Spuren der Guten begeben natürlich. Partisanen treffen, solange es noch geht. Also bringt uns der Kleinbus in 14 Stunden nach Reggio Emilia, inclusive umliegender Dörfer ehemals Partisanenhochburg und Vorzeige-Aufarbeitungsweltmeister der KPI (oder ihren Überresten wie man wohl sagen muss, denn was eine gute kommunistische Partei ist, spaltet sich, was das Zeug hält). Wobei Aufarbeitung natürlich auch relativ ist. Gerne hat man sich nach 1945 zur geschlossenen antifaschistische Nation kollektiviert, ein Bild, das vor allem auch die KPI begünstigt hat, indem einige ihrer hochrangigen Politiker eine Entfaschisierung bzw. Verurteilung italienischer Täter bewusst vermieden haben. Faschismus, das war keine italienische, sondern eine rein Deutsche Sache. Dass nicht wenige Italiener mit der Wehrmacht in der Sowjetunion kämpften, ein Krieg, dervon Massenmorde der Einsatzgruppen und Verbrechen der Wehrmacht begleitet war, ein unschönes Detail? Auch in Spanien beteiligten sich italienische Soldaten an der Zerschlagung der Republik und sicherten den Vormarsch der FRanquisten, teils Hand in Hand mit den Deutschen, wie im baskischen Gernika. Dennoch: Immerhin hat es in Italien bewaffneten Widerstand gegeben, muss man ja auch mal sehen.
Es folgt also die Reise in ausgewählten Bildern ohne komprimierende Bilder meiner Gefährten versteht sich! Übrigens, was an Italien ungebrochen gut ist: Cafe, Pizza, Pasta, Sonne. Echt jetzt, kein Klischee.

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So komisch sieht die Polizei da aus. In Reggio Emilia. Hand aufs Herz, denen traut man doch nix zu, oder?

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Da blutet jedem Vegi das Herz. Und gestunken hats da, puh.

Region Marzabotto

So schön die Aussicht, so bitter die Vergangenheit: Region Marzabotto, in der die SS über 700 ZivlistInnen in ihren Dörfern überraschte und massakrierte. Heute befindet sich hier ein „Geschichtspark“ mit Gedenk- und Hinweistafeln. Zusaätzlich dient der Ort als beliebtes Ausflugsziel bei Päärchen. Es empfiehlt sich, sich als Strand-Party-Sonne-Tourist mal auf die Pfade deutscher Verbrechen zu begegeben und einen Abstecher hierher zu machen.

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Mahnmal für die Opfer der Massaker in den Dörfern um Marzabotto.